MEINE GESCHICHTE

Oder wie ich begann, mich selber zu heilen

New beginnings are often disguised as painful endings.



Ich möchte dir mit meine eigene Geschichte erzählen, damit du sehen kannst, welche Veränderungen ich bereits angegangen bin und was sie mit mir gemacht haben. Vielleicht kannst du dich dadurch trauen, bei dir auch das zu verändern, was dich davon abhält, glücklich zu sein.

 

Ich hatte eigentlich immer irgendwo in meinem Körper und in meiner Seele Schmerzen. Ich dachte da lange auch gar nicht weiter drüber nach, denn es war für mich schon so lange ich denken konnte der Normalzustand. 

Vieles entstand in meiner frühesten Kindheit, da ich aufgrund der großen Inkompatibilität meiner Eltern bereits früh starke Spannungen aushalten musste.  Die frühe Scheidung meiner Eltern und die daraus resultierenden diversen Patchwork Konstellationen und meine ganzen unterschiedlichen Rollen im Familiensystem haben mich stark belastet und bis heute bekämpfen alle irgendwie die Nachwehen. 

Aufgewachsen als Erstgeborene zwischen vielen verschiedenen Fronten mit Eltern und Stiefeltern, die ihre eigenen Kindheitstraumata als Kinder von Eltern der Kriegsgeneration zu tragen hatten, trug ich an meinem Leben und dem, was andere mir aufluden, immer schwer. Alle gaben irgendwie ihr Bestmögliches, aber die seelischen Wunden, die entstehen, wenn man mit Erwachsenen aufwächst, die zwar ihre Kinder lieben, aber nicht wirklich sich selber, sind nicht zu unterschätzen - und ein Problem meiner ganzen Generation.

Wie sollte ich es daher schaffen, mit Selbstliebe, einem soliden Selbstwert und tiefen Vertrauen meinem Herzen und meiner Seele zu folgen, wenn ich es von niemandem lernen konnte und alle, von denen ich es hätte lernen können, viel zu große Angst davor hatten, sich selbst bis in ihre hintersten Ecken anzuschauen und zu akzeptieren? 

 

Irgendwann konnte ich das Gewicht, das mich runterzog, gar nicht mehr tragen. Bis dahin zog ich immer alles total fokussiert und fleißig durch. Ab und zu hatte ich extreme Tiefpunkte, aber ich kämpfte mich immer wieder raus. Ich kämpfte mich auch durch Dinge, die mir vielleicht nicht so gut taten - anstatt einfach zu gehen. Ich kämpfte in fast allen Bereichen meines Lebens, weil ich das gut kannte und konnte. Auch in Krisenzeiten tat und konnte ich das. Das kommt mir bis heute allerdings auch sehr zugute, denn ich schaffe wirklich alles, auch mit fast keiner Energie. Mein unglaublich stressiger Job als Lehrerin an einem Gymnasium mit 2 Korrekturfächern, der auch ohne schweres Gepäck mehr als grenzwertig in Bezug auf die Belastung ist, tat sein Übriges, um mich in die Knie zu zwingen. 

 

Aufgrund meines Gepäcks und der Dauerbelastungen in der Schule hatte ich lange kein gutes Gespür für mich selbst und meine Bedürfnisse. Vor einigen Jahren sagte ein Orthopäde zu mir: "Für Ihre Beschwerden haben Sie viel zu wenig Schmerzen!" Ich konnte mich und selbst meine Schmerzen lange gar nicht richtig spüren, denn tut man es, kann man nicht mehr "funktionieren". Mit steigendem Bewusstsein für mich selbst wurden auch die Schmerzen immer spürbarer - und schlimmer. Und ich hatte immer weniger Lust auf bloßes Funktionieren. 

 

Ich war damals nach dem Abi viele Jahre in einer emotional sehr oberflächlichen Beziehung, konnte dadurch aber schnell, ablenkungsfrei und konzentriert studieren und bis zu dem Vorfall mit dem ekelhaften Uniprofessor kurz vor meinem Examen (Details in meinem Blogartikel Bis hier hin und nicht weiter! Wie du Übergriffigkeit erkennst und Grenzen setzt) litt ich niemals unter Stress, denn er war schließlich bekannter Bestandteil von mir. 

Seit dem 1. Staatsexamen mit Mitte 20 war mein Körper allerdings komplett verspannt. Ohne Pause und Nachdenken ging ich vom Studium direkt ins Referendariat, das ich ebenfalls unerträglich fand. Im Referendariat beendete ich mich nach über 8 Jahren meine Beziehung und bestand das 2. Staatsexamen nur knapp und unter massiver Anstrengung. Direkt im Anschluss fing ich an, als Lehrerin an einem Gymnasium zu arbeiten. Dass ich das über 12 Jahre durchgehalten habe, kann ich mir nur damit erklären, dass ich massiven Stress schon so lange gewohnt bin. Ich nahm mir nie Pausen und Reflexionszeiten, um meinen Weg zu überdenken und konnte bzw. musste es erst lernen, als mein schmerzender Körper und meine weinende Seele mich schachmatt setzten. 



Ich bin jetzt 40 Jahre alt und habe in den letzten 6 Jahren mein Leben um 180 Grad gedreht. Ich habe mich aus alten Strukturen, Mustern und Umgebungen befreit sowie Orte, Menschen und Gefühle hinter mir gelassen, die mich lange Zeit belasteten oder meine Energie saugten.

 

Mit 34 habe ich angefangen, mich selber gründlich zu beleuchten. 

Mit 35 habe ich eine destruktive Beziehung beendet. 

Mit 36 habe ich mich von meinem intensiven Kinderwunsch verabschiedet, damit mein Leben nicht davon gesteuert wird. Das war schmerzhaft, aber heilsam, denn nun schaue ich ohne Druck, was kommt, bin zufrieden und kümmere mich hingebungsvoll um meine geistigen Kinder (=meine Ideen), die ich bisher schlimm vernachlässigt habe.

Mit 37 habe ich den Wohnort gewechselt, bin von einem Haus in eine wesentlich kleinere Wohnung gezogen und trennte mich von sehr vielen Möbeln, Erinnerungen und Dingen. 

Ich beendete Freundschaften, die mir nicht gut taten. 

Mit 39 beschloss ich, meinen für mich sehr belastenden Job und die sichere Beamtung zu kündigen und sortierte parallel in Intensivarbeit mein gesamtes Familiensystem für mich, um rollenfrei in eine neue Zukunft zu starten. Ich legte meine verschütteten Wünsche frei und steuere eine selbst bestimmte Zukunft an.

Mit 40 bin ich das erste Mal so richtig arbeitslos, war durch meinen Schulausstieg bereits in der Zeitung, im Radio und im Fernsehen. Ich habe mein erstes Buch geschrieben und folge meinem Traum, als Autorin zu arbeiten.

 

Ich werde mir jetzt endlich das suchen, was mein Herz erfüllt und nicht Körper und Seele unter Dauerstress versetzt. Denn wenn ich meiner kleinen Annika von damals erzählen würde "Ich bin Lehrerin geworden!", würde sie ganz erstaunt fragen: "Warum?!" und meine Teenager Annika wäre einfach nur vollkommen entsetzt. Ich kann nun voller Freude und Mut die Person sein, die ich immer sein wollte und die ich als Kind dringend gebraucht hätte. Ich will so sein, dass ich selbst die kleinsten Kindanteile in mir mit Stolz und Liebe erfülle und sich alles in mir stimmig anfühlt. 


Diese ganze Reise ist ein Zurückkommen zur Liebe. AnnaLynne McCord



Kommentare: 2
  • #2

    p6majo (Freitag, 10 Januar 2020 20:46)

    Hallo Annika,

    ich lese Deine Soulkanguruh-Sprünge sehr gern. Oft dreht es sich ja um das Thema Liebe. Deshalb würde ich an dieser Stelle gern eine provokante These in den Raum stellen. Ich bin kein Philosoph und habe auch keinen fundierten Hintergrund für meine These. Es sind einfach nur Gedanken und Du kannst den Kommentar jederzeit wieder entfernen (hoffe ich).

    Was ist Liebe?
    Kurz: Es gibt zwei Säulen der Liebe, alles darüber hinaus ist eine gesellschaftliche, moralische und romantische Überhöhung bzw. Glorifizierung.

    1. Säule: Die sexuelle Anziehung zwischen zwei Menschen, getriggert durch Schemata, biochemische Botenstoffe und eventuell Verhaltensmuster, die es uns ermöglichen sollen, einen möglichst geeigneten Paarungspartner zu finden.
    2. Säule: "kin selection" --- kurz: das durch Evolution selektierte Verhaltensmuster, sich um Kinder und nahe Verwandte bis hin zu Selbstaufgabe zu kümmern und zu sorgen.

    Beide Säulen sind bei den meisten Tierarten auf der Welt zu finden und meiner Meinung nach die Essenz von all dem, was wir als Liebe bezeichnen. Alles andere ist der Versuch, uns Menschen zu etwas Besonderem zu machen (was wir meiner Meinung nach aber nicht sind), oder aber ein moralischer Überbau oder netter formuliert, allgemein akzeptierte Wertvorstellungen, um unser Handeln in gesellschaftlich-konforme Bahnen zu lenken. Allerdings sind diese Wertvorstellungen nicht immer mit den Säulen 1. und 2. vereinbar, was die Ursache für das meiste "Liebesleid" auf dieser Welt sein könnte.

  • #1

    Teale (Sonntag, 22 September 2019 02:53)

    You're a legend Annika. Love your words and the pictures used.