WIE DU ÜBERGRIFFIGKEIT ERKENNST UND GESUNDE GRENZEN SETZT.

Ich widme diesen Artikel aus tiefstem Herzen allen tollen kleinen und großen Mädels und mutigen Frauen in meinem Leben! #useyourvoice#makeyourselfheard#beproud#sayno

Pictures by me, Mihai Surdu & Nadine Shaabana



0 WIE OFT SAGEN WIR NICHTS, SIND ABER TROTZDEM NICHT EINVERSTANDEN?

 

Momentan findet die #UNHATEWOMEN Initiative der Frauenrechtsbewegung Terre des Femmes, die für frauenfeindliche Sprache insbesondere in Rapsongs sensibilisieren möchte, ihren Weg auf die Facebook und Instagram Pinnwände. Die #metoo Bewegung und nicht zuletzt die Schuldigsprechung von Hollywoodmogul Harvey Weinstein für Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe zeigen, dass das Thema Respekt gegenüber Frauen immer mehr Raum findet. Hauptfrage im Prozess war die Einvernehmlichkeit der sexuellen Handlungen und da Angeklagter und Klägerinnen  hier unterschiedlicher Auffassungen waren, entschied die Jury eindeutig. In Schweden wurde gerade das Gesetz verabschiedet, dass alle Beteiligten dem Geschlechtsverkehr verbal oder nonverbal klar zustimmen müssen, bevor er als einvernehmlich gilt. Ohne ein "Ja, bitte lass uns vögeln!" oder einem eindeutigen Daumen hoch von beiden (oder wie viele auch beteiligt sind) kann man hier rechtlich also von ungewolltem Sex reden. Dieses Gesetz dient dem Schutz, dass Passivität nicht als Zustimmung reicht (wir erinnern uns ans Hannah Baker) und rückt damit gleichzeitig die Frage in den Fokus: Wie oft sagen wir nichts, sind aber trotzdem nicht einverstanden? 

Daher möchte ich mich in diesem Artikel dem sehr kniffligen Thema der Übergriffigkeit widmen und den alltäglichen Grenzüberschreitungen, die insbesondere Frauen, aber eben auch Männer erleben – denn es ist unglaublich schwierig, zu benennen, was genau übergriffig ist. Was ist noch okay, was solltest du lächelnd abtun und wo werden tatsächlich Grenzen überschritten? Und wie sollen Männer Grenzen verstehen, wenn oft noch nicht mal die Frauen wissen, wo sie liegen? Interessanterweise haben nämlich manchmal auch Frauen keinen Respekt vor Frauen, was oft daran liegt, dass sie Zuhause oder von der Gesellschaft gar nicht richtig lernen konnten, wie ebendieser aussieht. Daher ist es unglaublich wichtig, diese Thematik nicht nur bei Männern, sondern auch Frauen mehr ins Bewusstsein zu rücken, denn auch subtile Grenzüberschreitungen und ihr Umgang damit können nachhaltig belasten, traumatisieren oder Männer- und Frauenbilder langfristig negativ prägen. 


1 WAS BEDEUTET "ÜBERGRIFFIGKEIT"?

 

Laut Duden sind aggressiv, aufdringlich, lästig, penetrant oder zudringlich Synonyme für „übergriffig“. Bei Übergriffigkeit handelt es sich nicht unbedingt um sexuelle Handlungen, ich würde aber behaupten, dass  bei vielen Handlungen, die du als übergriffig oder grenzüberschreitend empfunden werden, in irgendeiner Form sexuelle Hintergedanken oder zumindest gewisse Begehrlichkeiten der Zielperson gegenüber mitschwingen oder sie in eben diesem Bereich erreichen. Dabei ist die Armlänge Abstand im Grunde ein alter Hut: Wir erinnern uns an Dirty Dancing, die ersten Tanzstunden von Johnny und Baby und die klare Ansage „Mein Tanzbereich - dein Tanzbereich!“ Übergriffig ist so gesehen alles, was ungefragt in deinen Tanzbereich eindringt. Das muss nicht unbedingt körperlich geschehen, denn dein Tanzbereich, also dein ganz persönlicher Schutzraum, kann auch verbal oder visuell penetriert, durchdrungen, werden – wie z.B. mit der blanken Arschritze des schlechtangezogenen Kollegen, der sich plötzlich vor dir bückt, einer ekelhaften Geste, den ungefragten und detaillierten Schilderungen des Privatlebens einer vielleicht sogar unbekannten Person oder eben despektierlichen Raplyrics. 


Don't let others invade your dance space!


2 WO GENAU FÄNGT ÜBERGRIFFIGKEIT AN?

#AIMEES STORY

 

Die Schwierigkeit, diese Grenze zu definieren und als Betroffene(r) zu erkennen und sich einzugestehen, dass man einer unangemessenen, übergriffigen Handlung zum Opfer gefallen ist, zeigt die 2. Staffel der Coming of Age Netflix Serie Sex Education: Aimee, ein ziemlich selbstbewusstes, freches Mädchen, wird auf ihrer täglichen Busfahrt von einem nett aussehenden Mann angelächelt. Als sie sich in seiner Nähe im Gang festhält und nett zurück lächelt, merkt sie auf einmal, dass der Typ dabei ist, sich direkt neben ihr im Bus mit offener Hose gegen ihr Bein einen runter zu holen. Sie beschwert sich laut, aber alle gucken nur, keiner reagiert. Sie fordert den nicht einschreitenden Busfahrer zum Anhalten auf und steigt mitten unterwegs mit einem riesigen Spermafleck auf ihrer neuen Jeans aus. Als Zuschauer:innen ist dir die massive Grenzüberschreitung und das unangemessene Verhalten der Mitfahrer:innen im Bus darauf vollkommen klar und du fragst dich wahrscheinlich etwas fassungslos, warum Aimee nicht ausrastet, dem Typen eine scheuert, alle anderen im Bus anschreit und ihnen sagt, was sie für rückgratlose Arschlöcher sind.

Wie schwer es aber tatsächlich ist, in einer solchen Situation, in der alle so tun, als wäre nichts, 1.) zu erkennen, was eigentlich passiert und 2.) dann angemessen zu reagieren, solltest du nicht unterschätzen. Wer so etwas selbst schon einmal erlebt hat, weiß, wie kompliziert es sein kann, präsent zu reagieren und sofort klare Grenze zu ziehen.

 

Auch ich hatte erst kürzlich die sehr schmerzhafte Erkenntnis, dass ich schon viele Dinge zugelassen habe, die – teilweise hochgradig - übergriffig waren, meine persönlichen Grenzen überschritten und gegen alles sprachen, was ich als für mich richtig erachtete. Trotzdem sagte ich oft nichts oder nicht genug und konnte aufgrund meines mangelnden Bewusstseins für meine eigenen Grenzen gar nicht erst erkennen, dass es sich um massive Überschreitungen handelte. 



Denn fehlt das Bewusstsein, passiert dasselbe wie bei Aimee: Du erkennst die Situation nicht als grenzüberschreitend. Und tust du es vielleicht irgendwo ganz tief im Unterbewusstsein doch, drückst du die Erkenntnis lieber weg, weil es sich unerträglich anfühlt, dir deine eigene Handlungsunfähigkeit im betroffenen Moment einzugestehen. So wie halt bei Aimee: Sie spielt das Ereignis im Nachhinein also herunter, denn sie ist tough und ihr Fokus und Bedauern liegen darauf, dass die neue Jeans versaut ist. Ihre Freundin zwingt sie jedoch, Anzeige zu erstatten, was Aimee unangenehm ist und sie entschuldigt sich bei den Polizisten, wegen so einer Nichtigkeit Umstände zu machen. Bis sie es schafft, sich einzugestehen, dass das, was ihr widerfahren ist, eine absolut ekelhafte Grenzüberschreitung und sexuelle und traumatisierende Belästigung war, vergeht noch einige Zeit – in der sie sich nicht mehr traut, Bus zu fahren und alternativ anfängt, die lange Strecke zur Schule zu joggen, nur, um sich der eventuellen Konfrontation mit dem Täter nicht stellen zu müssen. Der Knoten platzt erst, als mehrere sehr unterschiedliche Mädchen zum Nachsitzen gezwungen werden mit der Aufgabe, eine Gemeinsamkeit zu finden. Es ist traurig, dass die Gemeinsamkeit sich schlussendlich als die Tatsache herausstellt, dass jede Einzelne bereits mehr oder weniger starke Grenzüberschreitungen durch Männer erfahren hat. Erst bestärkt durch die Erfahrungen der anderen Mädchen, kann Aimee sich den sexuellen Missbrauch eingestehen und erst mit Hilfe der anderen Mädchen, die sich mit ihr solidarisieren und gemeinsam Bus fahren, kann sie sich dem Ort des Geschehens wieder stellen. Als Zuschauende:r fragst du dich trotzdem: Warum zur Hölle braucht die so lange, um das zu schnallen? Und trotzdem spiegelt es die Realität wider: Guckst du als Unbeteiligte:r von Außen, erkennst du schnell, was nicht stimmt, aber steckst du selbst mitten drin, ist es oft eine ganz andere Hausnummer. Zu begreifen, dass du einem übergriffigen Verhalten ausgesetzt warst oder bist, kann dauern, da die Einsicht von vielen Schwierigkeiten und Bewusstseinsstufen begleitet ist. 



3 ÜBERGRIFFIGKEIT IST OFT SEHR SUBTIL

#MEIN EKLIGER UNIPROF

 

Übergriffigkeit geschieht nämlich meistens nicht so „offensichtlich“ wie in Aimees Fall bei Sex Education - und selbst für sie ist es auch lange nicht (be)greifbar. Wenn mir jemand ungefragt gegen meine neue Jeans wichst, dann kann ich das wahrscheinlich doch recht schnell als zudringlich und übergriffig einsortieren - und für den Fall, dass ich es selbst nicht direkt merke, weil ich unter Schock stehe, so können es andere doch als schlimm einordnen - vorausgesetzt ich spreche darüber. 

Was aber, wenn eine Übergriffigkeit viel subtiler ist? Und was, wenn mir mein Umfeld spiegelt, dass es eigentlich eine „Nichtigkeit“ ist – obwohl es sich für mich anders anfühlt? Vielleicht sind es „bloß“ regelmäßige WhatsApp Nachrichten mit einem blöden Spruch oder einem Foto, dass man auch ohne Probleme als Witz oder „nicht so ernst gemeint“ abtun kann. Vielleicht sind es Komplimente – und Komplimente sind doch eigentlich was Gutes – oder nicht? Vielleicht sind es die Umarmung zur Begrüßung oder das Küsschen zum Abschied? Vielleicht ist es der Arm, der wie selbstverständlich im Bus um uns oder auf unsere Rückenlehne gelegt wird. Oder die Aufforderung eines Bekannten, dass wir uns auch auf den Schoß setzen können? Oder der Typ, der beim ersten Date direkt zu sich nach Hause einlädt? Also – wo genau fängt Übergriffigkeit an und wie können wir erkennen, dass wir betroffen sind? Und wie setzen wir Grenzen?

Picture by Luke van Zyl
Picture by Luke van Zyl

Ich hatte meine erste bewusste Begegnung mit Übergriffigkeit am Ende meiner Unizeit. Ich hatte einen dicken, alten Professor in Literaturwissenschaft, der bis dato eigentlich ganz witzig war. Auf einer einwöchigen Fahrt mit dem Kurs nach England wurde es allerdings unangenehm. Wir besuchten verschiedene Theaterstücke und hatten Schauspielkurse mit unserer Gruppe. Der Prof begann, sich nach den Stücken über die tollen Figuren und Superhintern der Schauspielerinnen laut zu begeistern. Das fand ich schon ekelig und ziemlich unprofessionell, aber er hatte wirklich gar keine Scheu, seine Vorlieben kundzutun. Er merkte auch in meiner Gegenwart laut an, dass er am liebsten schlanke, dunkelhaarige, sportliche Frauen mochte – was meinem Phänotyp entspricht. Ich fühlte mich also angesprochen - es ging ja kaum anders - und fand es richtig fies.  Von da an war er nicht mehr - ganz neutral  - mein Uniprofessor, sondern ein ekliger, alter Mann mit offensichtlichen Begehrlichkeiten. Bei den sehr körperbetonten Gruppenübungen zum Theaterspielen machte er natürlich mit – was unter Aspekten der Professionalität ein weiteres No Go war. Als Lehrerin hätte ich im Leben nie bei solchen Übungen mit meiner Klasse mit gemacht. Wir mussten uns alle auf den Boden über- und unter einander legen und der dicke Prof rollte sich dazwischen. Igitt. Hinzu kam, dass wir in Stuhlkreisen saßen und der Prof sich mit seiner Hand vorne auf der Sitzfläche am Stuhl seiner studentischen Sitznachbarinnen abstützte oder wie selbstverständlich den Arm hinten auf die Lehnen ihrer Stühle legte. Der war eh schon so fett und machte sich so noch viel breiter. Mir drehte sich fast der Magen um. Wir thematisierten das auch unter uns Mädels und waren einig, dass das Verhalten nicht okay war – aber keine wusste hiermit umzugehen, denn schließlich wollten wir alle im kommenden Semester Examen bei diesem Prof machen. Vor dem letzten abendlichen Theaterstück kündigte er schon vormittags laut an, dass er auch unbedingt mal neben MIR sitzen wollte und tauschte ungeniert mit anderen die Platzkarten so, dass wir nebeneinander saßen. Ich befand mich in einer sehr unangenehmen Position und wusste mir wirklich nicht zu helfen. Ich drehte mich die gesamte Vorstellung von ihm weg und ignorierte ihn sträflich, auch, wenn er mehrfach durch Klopfer auf mein Bein um Aufmerksamkeit buhlte. 

Zurück Zuhause stellte sich per Zufall heraus, dass eine Bekannte von uns im Büro der Gleichstellungsbeauftragten der Uni arbeitete. Als sie von dem Vorfall hörte, bat sie mich, eine Aussage zu machen, da bereits sehr viele Beschwerden von Studentinnen und Kolleginnen vorlagen, aber viele nicht bereit waren, persönlich auszusagen. Ich aber machte eine Aussage, denn es war mir wichtiger, meine Werte zu vertreten anstatt bei einem widerlichen Prof eine 1 im Examen zu machen, weil er auf mich stand. Und es wurde sehr unangenehm. Es ging hoch bis zum Unidekan, der ob des gockelhaften Verhaltens des Professors entsetzt war. Die Gruppe, mit der ich in England war, unterstützte mich in Anbetracht eines vor Wut schäumenden Uniprofessors, der von Rufmord sprach, natürlich nicht und ich durfte mir noch anhören, ich wüsste ja gar nicht, wie sich Belästigung anfühlte, denn schließlich hatte eine der studentischen Hilfskräfte selber schon einmal eine wirkliche Belästigung erlebt und das, was ICH da als unangenehm empfunden hätte, wäre jawohl nichts im Vergleich. 


4 MÄDELS, BITTE STÄRKT EUCH GEGENSEITIG!

 

Ich habe schon öfters erlebt, dass Frauen sich nicht gegenseitig stützen und sich insbesondere bei solchen Thematiken sogar noch gegenseitig in den Rücken fallen, sei es aus Angst oder falschen Überzeugungen. Also an alle Mädels da draußen: Tut mir und vor allem euch selber einen riesigen Gefallen und solidarisiert euch. Bestärkt euch in euren Wahrnehmungen und tauscht euch aus. Zusammen seid ihr stark! Lasst euch bitte nicht gegenseitig im Regen stehen, vor allem, wenn es um EURE Grenzen geht. #UNHATE WOMEN!

 Die Gleichstellungsbeauftragte musste sich also auch noch gut was anhören, denn wenn du das Weltbild eines Narzissten aus den Angeln hebt, musst du dich auf Gegenwind einstellen. 

 

Picture by Natalie Hua
Picture by Natalie Hua

5 WARUM HALTEN SO VIELE DIE KLAPPE?

 

Das Verhalten des Professors war jedenfalls verbal und körperlich übergriffig und trotzdem äußerte sich niemand anderes hierzu laut. Warum aber war dem so? Warum beschwerte sich keine der anderen Studentinnen, obwohl der fette Prof - so, als wäre es das normalste der Welt - in jeder Sitzrunde seine behaarte Hand auf der Sitzfläche ihrer Stühle genau neben ihren Oberschenkeln ablegte? Und obwohl er den Arm um ihre Stuhllehnen legte, so dass ein Zurücklehnen nicht mehr möglich war? War es okay für sie oder fanden sie es sogar schön?!

Hier gibt es - neben der verstörenden, aber nicht sehr wahrscheinlichen Option, dass sie auf den alten, dicken Prof in seinen ausgeleierten Wollpullis irgendwie standen - mehrere Erklärungsansätze: Die Gruppe bestand nur aus jungen, naiven Studenten und Studentinnen, die meisten auf Examenskurs, oder studentischen Hilfskräften. Es standen also wirklich ALLE in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Professor. Ein solches Machtgefälle schüchtert enorm ein und so fühlte sich niemand zu einer Zurechtweisung des Königs des Kurses berechtigt. Außerdem schien sein Gebaren vollkommen berechtigt, denn zum einen verhielt er sich genau so - my turf, my kingdom - und zum anderen sagte niemand etwas und vermittelte so den Anschein, dass niemand hier Grund oder Recht zum Protest hatte. Das verteidigende Verhalten seiner zwei weiblichen (!) Hilfskräfte unterstrich dies. Da kamst du schnell zu der Schlußfolgerung: Ich stelle mich bestimmt nur an. Also – vielleicht fanden es viele etwas komisch, aber vielleicht hatte man ja eher selber das Problem.  Außerdem bekamen die, die nichts sagten, bestimmt ihr Englisch 1er Examen - und nicht wie ich mit einem schlecht prüfenden Ersatzprof eins im 3er Bereich. Ich wurde damals in meiner Wahrnehmung lediglich durch eine Freundin, die auf der Fahrt dabei war, bestärkt, aber auch sie hielt sich vor der Gruppe bedeckt. Auch wenn sowohl meine Mutter, die Gleichstellungsbeauftragten, über 30 weitere vorliegende Fälle und letztendlich auch der Unidekan mich in meiner Wahrnehmung bestätigten, wurde mir auf vielen anderen Ebenen gespiegelt, dass ich alles falsch einschätze und nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte. Also merke dir: Wenn du Übergriffigkeiten enttarnst, musst du dich oft in Acht nehmen. 


WIE NAH IST OKAY FÜR DICH UND WAS IST ZU NAH?


6 WIE VERMEIDEN WIR ÜBERGRIFFIGE SITUATIONEN?

 

Geschieht Übergriffigkeit in einer Situation, in der niemand anderes etwas sagt oder du gar ganz auf dein eigenes Urteil gestellt bist, weil du alleine bist oder warst, wird es mit dem Erkennen schwierig, insbesondere, wenn die Grenzverletzung vollkommen selbstverständlich geschieht und der andere sich so verhält, als wäre dies der Normalzustand. Da hinterfragst du deine eigene Wahrnehmung schnell, denn du willst schließlich auch nicht als prüde, frigide oder empfindlich abgestempelt werden. Oder dass du keinen Spaß versteht. Schwer wird es vor allem dadurch, dass Menschen, die Grenzen überschreiten, sich dem Überschreiten in der Regel nicht bewusst sind oder es ihnen einfach egal ist. Mit was für einer Art von Mensch du es hier zu tun hast, kannst du gut an der Reaktion auf eine Zurechtweisung erkennen. Menschen, denen ihr unabsichtliches grenzüberschreitendes Verhalten nicht bewusst war und die vielleicht nicht gut nachgedacht haben oder die Grenzen bisher noch nicht sehen konnten, werden sich entschuldigen und es wird ihnen sehr peinlich sein. Sie sind ggf. sogar dankbar, dass du sie darauf aufmerksam gemacht hast – und es wird in der Regel nicht wieder vorkommen. Menschen, die dir nicht zuhören, deine Hinweise  sofort weit von sich weisen und beginnen dir zu erklären, warum deine Wahrnehmung nicht stimmt und das nicht sein kann, sind gefährlich. Das nennt man übrigens auch Gaslighting. An so einer Reaktion erkennst du jedenfalls, dass dein Empfinden goldrichtig war, aber hier solltest du immer vorsichtig sein, dich mit anderen verbünden und solidarisieren, um die eigene Wahrnehmung vorher gründlich zu betrachten, bevor du ggf. auf Konfrontation gehst. 

 

Fest zu seinen eigenen Wahrnehmungen zu stehen, kostet viel Übung und Solidarität ist manchmal schwer zu finden, weil Enttarnungen von Übergriffigkeiten schwierig sind, es unangenehm ist, Flanke zu zeigen und weil es so unklare Grenzen gibt. Es ist schließlich in der Regel keine "richtige sexuelle Belästigung" und es geht um ein subjektives Einschätzen der Situation als "unangenehm". Du outest dich als „empfindlich“ und als „Nein, ich versteh hier wirklich keinen Spaß!“ Um einen solchen Schritt zu wagen, musst du ganz schön standhaft sein oder gute Rückendeckung haben. Daher - teile deine Eindrücke mit Menschen, von denen du denkst, dass sie ein gesundes "Grenzempfinden" haben, tausch dich mit anderen aus, versuch deine Wahrnehmung in Beziehung zu anderen Erlebnissen und denen anderer Menschen zu setzen und forme dir ein umfassendes Bild. Du musst nicht alles mit dir alleine ausmachen!


7 WAS IST JETZT ÜBERGRIFFIG UND WAS NICHT?

Picture by Marco Bianchetti
Picture by Marco Bianchetti

 

Du solltest dir erst einmal selber überlegen – wo ist meine Grenze? Was geht mir zu weit? Welche Verhaltensweisen sind angebracht an welchem Ort und zu welcher Zeit? Manche Dinge sind z.B. auf einer Party vollkommen in Ordnung, in einer Berufssituation aber total fehl am Platze.

Die Frage ist ja auch immer, von wem etwas kommt. Wenn dir z.B. jemand ein Kompliment macht und sagt, dass du gut aussiehst oder gut riechst, ist das eigentlich nett, aber – willst du das von der Person überhaupt hören? Wie genau wird das Kompliment gemacht und wie oft hast du sowas in der Art schon von dieser Person gehört? Es macht nun mal einen Unterschied, ob es echt nette Kolleg:innen in neutraler Form machen oder solche, die sowieso immer nur baggern und dann noch mit hoch gezogener Augenbraue.

Ich denke, es kommt wirklich immer darauf an, ob 1.) eine sexuelle Nuance mit in der Luft liegt - und das spürst du ja - und 2.) wenn dem so ist – ob du es okay findest, von dieser Person in irgendeiner Form Begehrlichkeiten entgegen gebracht zu bekommen. Ist es die notgeile Chefin oder die süße Praktikantin? Ist es der fiese Lehrer oder der schnuckelige Mitschüler? Ist mein Uniprofessor einfach mein Uniprofessor oder ist er ein baggernder, alter Lustmolch? Die Perspektive macht den Unterschied! Kennst du die Dobler- Dahmer Theory von How I Met Your Mother, die den schmalen Grat zwischen charming or alarming erläutert?


CHARMING OR ALARMING?


8 AUCH "KOMPLIMENTE" KÖNNEN ÜBERGRIFFIG SEIN

 

Komplimente sind auch so eine Sache, denn sie können ebenfalls charming oder eben alarming sein. Es gibt einfach nette Menschen, die machen aufrichtige Komplimente, über die du dich freust. Dann gibt es Menschen, die verteilen Komplimente kalkuliert und gönnerhaft, so als wären es wichtige Auszeichnungen und Gütesiegel. Sie geben dir das Gefühl, dass du dich glücklich schätzen kannst, wenn sie dir mitteilen, dass du etwas gut gemacht, etwas Tolles gesagt, einen tollen Arsch in der neuen Hose oder ein schönes Dekolleté in dem neuen Kleid hast. Manche Menschen drängen ihre Komplimente fast schon auf und können sich gar nicht vorstellen, dass man die von ihnen gar nicht braucht. Aber nicht jeder möchte von anderen das Gefühl vermittelt bekommen, begehrenswert zu sein – insbesondere z.B. professionellem Kontext nicht – es sei denn, man ist Pornostar. Vor allem manche Männer sind der Illusion erlegen, dass die Frauenwelt nur auf sie und ihre scharfen Beobachtungsgaben gewartet hat und dass ein Küsschen oder ein Kompliment zu ihren körperlichen Vorzügen genau DAS ist, was nun den ganzen Tag rettet. Also entscheide selbst – wo ist deine Grenze? Nett oder eklig? 

Und mal Hand aufs Herz, auch wenn es vielleicht deinem Ego schmeichelt - wolltest du das Foto vom jungen Kollegen mit freiem Oberkörper und der Hand auf dem Schritt eigentlich haben? Und ist das jetzt ein schlechter Scherz , den man mit einem lachenden Emoji abtut (Der ist ja auch noch wirklich jung, der Kleine😅) oder ist das schon  Übergriffigkeit? Und wenn dir ein anderer Kollege mit Zwinkergesicht schreibt, er hätte aber doch gerne mal Urlaubsfotos ohne Handtuch – reicht da ein facepalm Emoji (Der ist halt so…🤦‍♀️) oder solltest du da noch deutlicher werden? Und was ist mit dieser Kollegin, die bei jedem Gespräch so nah an dich rankommt, dass du manchmal Angst hat, sie gibt dir gleich einen Zungenkuss? Ganz schön kniffelig, das Ganze. Generell gilt, dass alles, was sich für dich nicht gut anfühlt und für dich eine Grenze überschreitet, für dich übergriffig ist. Du willst nun mal nicht, dass dir jede:r auf die Pelle rückt und du willst sicher auch nicht von allen ein Küsschen oder eine Umarmung, denn Berührungen sind intim und bestimmten Menschen vorbehalten. 

 

Picture by  Yann Jacobsen
Picture by Yann Jacobsen

9 ES SOLLTE MEISTENS EINFACH NEUTRAL SEIN

 

Übergriffigkeiten sind oft nur schwer zu greifen und insbesondere, wenn sie dort vorkommen, wo sie absolut gar nichts zu suchen haben, wird es schnell sehr unangenehm. Sobald ein Machtverhältnis besteht, solltest du ohnehin ganz vorsichtig sein. Insbesondere für junge Menschen, die noch nicht ganz sicher in ihrer Sexualität und ihren Grenzen sind, ist es manchmal sehr schwer auszuhalten. Zwischen Lehrern und Schülerinnen kann das ganz schwierig sein - und wahrscheinlich sogar manchmal zwischen Lehrerinnen und Schülern. Es kann sich regelrecht bedrohlich anfühlen als wärst du die Beute eines Raubtiers, wenn du als „Unterlegene(r)“ das Gefühl bekommt, das Gegenüber hegt irgendwelche Begehrlichkeiten – so wie ich bei meinem Uniprofessor. Würg. Und du möchtest bei den meisten Menschen nunmal, dass es einfach neutral ist und bleibt. Die Gedanken sind frei, aber jede:r sollte erkennen, was wo seine Berechtigung hat. Dasselbe gilt für Eltern, denn Kinder möchten – egal in welchem Alter - in der Regel absolut nichts von ihren körperlichen Vorlieben wissen - Sex Education lässt grüßen, denn Otis‘ Mutter Jean ist wahnsinnig übergriffig. Niemand will die eigenen Eltern als sexuell aktive und interessierte Menschen wahrnehmen müssen, auch wenn es natürlich eine Tatsache ist, dass sie es sind. Also – schön KLAPPE HALTEN! 



10 GRENZEN SETZEN IST OFT SCHWER

#MEIN UMARMUNGSDILEMMA

 

In die Klarheit zu kommen, deutliche und unmissverständlich klare Grenzen zu setzen, bedarf vieler kleiner und großer Entwicklungsschritte. Oft fühlst du dich aber erstmal sehr unbehaglich, wenn du Menschen auch sehr offensichtliche Grenzen deutlich erklären muss, z.B. weil sie selber kein Gespür dafür haben. Ich habe mich Situationen aber auch schon hilflos ausgeliefert gefühlt und letztendlich „einfach mitgemacht“, um mir Diskussionen, warum ich jetzt keine Umarmung oder kein Küsschen wollte, zu ersparen. Ich hatte z.B. lange das Problem, dass mich mein früherer Osteopath zur Begrüßung und Verabschiedung umarmte. Ich mochte das überhaupt nicht und empfand es als hochgradig unpassend. Wir duzten uns zwar, aber als er mit der Umarmerei anfing, wusste ich wirklich nicht, wie ich mich „dagegen wehren“ sollte. Irgendwann nach vielen unangenehmen Umarmungen fühlte es sich komisch an, noch was gegen die Passivumarmung zu sagen – also, umarmte ich weiter mit. Der freut sich halt so, mich zu sehen! sagte ich mir dann zur Beruhigung - und um der unangenehmen Selbstverantwortung auszuweichen. Das Schlimme daran war, dass ich irgendwann schon fast die Arme ausbreitete, um mir die unbegehrte Umarmung abzuholen und „hinter mich“ zu bringen. Ich versuchte es ein paar Mal mit subtileren Signalen, wich aus oder sagte, dass ich das an besagtem Tag nicht wollte, weil ich krank war etc., aber nichts hielt ihn ab. Und wie bekam ich das Dilemma gelöst? Ich bin inzwischen umgezogen und habe nun eine OsteopathIN, die mich nicht umarmt. Ich schaffte es damals nicht, eine klare Grenze zu setzen und erinnere mich, oft gedacht zu haben: Das schaffe ich nie. Mein australischer Freund Jim sagt manchmal Men are dumb as dog shit! und dass ich so klar und deutlich werden muss, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, mich falsch zu verstehen. Im Fall des umarmungsfreudigen Osteopathen wäre die einzige Lösung wohl meine klare Ansage gewesen: Aufhören, ich möchte nicht umarmt werden! - aber das traute ich mich da noch nicht. Wie bescheuert!



Dass ich in dieser Situation eine Vermeidungsstrategie fuhr, lag nicht nur an der mangelnden Empathie des Osteopathen, sondern insbesondere an meiner inneren Unsicherheit sowie meinen persönlichen Problemen mit deutlicher Abgrenzung. Ich bin mir sicher, dass er sogar peinlich berührt gewesen wäre, hätte ich mein Unwohlsein in totaler Deutlichkeit formuliert. Vielleicht wollte ich ihm aber genau diese Schmach ersparen und machte lieber die Faust in der Tasche. Auch wieder total bescheuert, denn er machte sich ganz offensichtlich wegen meines Unwohlgefühls keinerlei Gedanken. Die Einsicht, dass du vieles zwar auf einer gewissen Ebene merkst, es aber oft trotzdem nicht ausreichend anmahnen kannst, ist erschreckend – insbesondere, wenn es um deine eigenen Grenzverletzungen geht. Und dass ich einem Grenzüberschreiter lieber die Scham einer Zurechtweisung ersparte, anstatt für mich selber einzustehen war vollkommen absurd.

Es tut nicht nur weh, dir einzugestehen, dass du nicht ausreichend Grenzen gesetzt und andere fast schon dazu eingeladen hast, sie zu überschreiten, sondern ist ebenfalls erstmal mit Scham verbunden. Schmerzhafte Einsichten über die eigene Blödheit sind leider unangenehm. Wenn du dir bewusst machst, dass du Dinge in manchen Situationen mitgemacht oder geduldet hast, obwohl du im Bauch gespürt hast, dass du es nicht gut fandest, ist das schmerzhaft, aber ein wichtiger Schritt für die innere Veränderung. Vielleicht musst du dir auch eingestehen, dass es in dem Moment vielleicht sogar ganz okay war, aber es dich nun mit neuem Bewusstsein abstößt. Diese Gedanken sind ein sehr wichtiger Schritt, um solche Situationen zukünftig zu vermeiden. Und manchmal dauert es, eine Überschreitung in ihrem vollen Ausmaß zu begreifen - so wie ich nun 15 Jahre später merke, wie tief die Geschichte mit dem Uniprof noch in meinen Gliedern saß und wie ekelhaft sie eigentlich war. 


11 STÄRKE DEINE WAHRNEHMUNG UND DEINE GRENZEN

 

Wenn du also nicht weißt, wie du Grenzüberschreitungen unterbinden sollst, ist es wichtig, dass du zuerst deine eigene Wahrnehmung stärkst und mit anderen über das Erlebte sprichst. Überlegt gemeinsam, wie mit der Situation umzugehen ist.

 

Sind die Übergriffigkeiten und Grenzüberschreitung zu häufig, zu gravierend und werden deine Grenzen dauerhaft nicht respektiert, musst du dir dringend Hilfe holen und größere Geschütze auffahren. Mach dir bewusst,  dass es in solchen Fällen in Richtung Missbrauch, Ausnutzung, Mobbing, Bossing geht und umgehend unterbunden werden MUSS! 

 

Insbesondere bei starken Machtgefällen, solltest du dich dringend absichern, damit du dich nicht in eine aussichtslose Position bringt. Bei Menschen, die ihre „Machtposition“ für Übergriffigkeiten ausnutzen, solltest du sehr vorsichtig sein, denn wenn du Egoschwächen aufdeckt, werden solche Menschen unglaublich unangenehm. Hier solltest du dringend noch weiter über das Thema Narzissmus lesen.

Trotzdem siehst du: Vieles in Bezug auf deine Grenzen steuerst wirklich du! Daher musst du für dich rausfinden, was du magst und was nicht. Du musst herausfinden, wo für dich eine Grenzüberschreitung stattfindet – aber, um das zu können, musst du deine Grenzen für dich klar definieren. Was geht zu weit? Bis wo hin ist es okay? Dein Bauchgefühl ist hier dein Kompass und du musst erkennen, was es dir sagt und lernen, darauf zu vertrauen. Du musst dich und deine Grenzen - aber auch die anderer - respektieren, und ernst nehmen, um zu erkennen, wenn es andere nicht tun. Wenn du dich in deinen Grenzen selber nicht ernst nimmst, wird es dir kaum gelingen, diese Grenzen für jemand anderes deutlich aufzuzeigen. Lerne auch bei anderen auf subtile Signale zu achten, mit denen sie ihre Grenzen schützen. Andere in ihren Grenzen ernst zu nehmen, stärkt gleichzeitig auch die Wahrnehmung für dich und dein Verhalten. 

Picture by Priscilla Du Preez on Unsplash.com
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12 RESPEKTIERE DIE GRENZEN ANDERER UND HILF IHNEN, SIE ZU VERTEIDIGEN

 

Du solltest dir auch überlegen, wie du selber als Person sein möchtest. Was sind deine Werte und was für ein Vorbild möchtest du sein? Manche Menschen brauchen Unterstützung bei der Kommunikation ihrer Grenzen. Vielleicht kann hier auch die Vorstellung helfen, dass dein Verhalten andere auch zu einer entsprechenden Vorgehensweise motivieren kann. Und vergiss nicht – wenn du die Grenzverstöße nicht eingrenzt, werden sie weiter geschehen – und wahrscheinlich nicht nur dir gegenüber. BE WHO YOU NEEDED WHEN YOU WERE YOUNGER! Stärke auch andere Menschen - insbesondere junge Menschen und Kinder - in ihren eigenen Grenzen und Wahrnehmungen - als verantwortungsbewusste Erwachsene:r und vor allem als Frau ist das eine wichtige Aufgabe! Wenn du erkennst, dass eine Grenze bei anderen immer wieder überschritten wird, thematisiere es und überlegt ggf. gemeinsam, wie man hier Abhilfe schaffen kann. 


13 KOMMUNIZIERE DEINE GRENZEN SO DEUTLICH WIE NÖTIG

 

Und du darfst verdammt nochmal ALLES ablehnen, was du nicht möchtest. Das ist dein Recht! Alles, was du unangenehm findest, ist eine Grenzüberschreitung für dich - egal, was andere sagen! Niemand hat das Recht, dir zu sagen "Das war nicht schlimm für dich!" Und wenn du etwas als übergriffig eingestuft hast, bedarf es absolut keiner weiteren Rechtfertigungen – egal, was der andere dir vielleicht weiß machen möchte. Und um dich selbst zu schützen und zu respektieren, ist es deine Aufgabe, Menschen, die deine Grenzen ignorieren, darauf hinzuweisen. Manchmal werden deine Grenzen auch nicht aus Boshaftigkeit oder Ignoranz verletzt, sondern, weil du sie nicht klar kommunizierst. Indem du also zeigst, wie man mir dir umgehen soll und was für dich gar nicht geht, hilfst du anderen ungemein, denn Grenzen sind immer auch eine Orientierung. Und wie deutlich du dabei werden musst, liegt ja nicht an dir! Es ist wichtig, dass du dir klar machst, dass der andere die Deutlichkeit, mit der du deine Grenze kommunizieren musst, durch sein Verhalten selber auswählt. Meine Blogartikel DANKE AN ALLE ARSCHLÖCHER und über Glaubenssätze können dir hier weiter helfen. Und nicht jede Grenze muss verbal geäußert werden. Von manchen Dingen und Menschen kann man sich ja Gott sei Dank auch räumlich distanzieren.

  

Egal, ob Mädchen oder Junge, Mann oder Frau, geschlechtslos, dazwischen - ich wünsche dir, dass du es schaffst, dich selber und dein Selbstbewusstsein zu stärken, dich selbst in deinen Grenzen zu respektieren und so ernst zu nehmen, dass du erkennen kannst, wenn man sie bei dir oder auch anderen überschreitet und dich traust, Übergriffigkeiten zu enttarnen und klar STOPP zu sagen, dass du dich traust zu sagen: Ja, #metoo – auch ICH habe Grenzen, ICH respektiere sie, tu du das gefälligst auch!


NEIN ist ein vollständiger Satz!


Kommentare: 1
  • #1

    Anonym (Montag, 17 August 2020 14:05)

    Vielen Dank für deinen Artikel.

    Nachdem mich bei meinem letzten Arztbesuch mein Arzt erst durch Handzeichen aufgefordert hat vor ihm durch die Tür zu gehen und dann die Situation genutzt hat, um mir plötzlich an den Haaren zu ziehen, geht es mir wie du es viel in deinem Artikel beschreibst.

    Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich wehren soll, war eingeschüchtert, ärger mich dann noch über mich selbt darüber, finde es nicht ok, aber will auch unnötigerweise "keine große Welle" machen. Oder doch? Nimmt man mich überhaupt ernst wenn ich mich darüber entpöre und was ist wenn ich mich beschwerde, ich nichts beweisen kann und dann selber wegen Rufmord Strafen zu erwarten habe.

    ... es ist super hier zu lesen, dass ich mit diesen Unsicherheiten lange nicht die einzige mit diesen Problemen bin.

    Es ist nicht hilfreich aus dem Umfeld zu hören "Das hast du dir gefallen lasse? Mensch das darfst du nicht, da musst du sofort eine Backpfeife austeilen. Das geht ja gar nicht."
    ..... ja stimmt, und wenn ich es halt nun mal nicht gleich schaffe? Bin ich dann selber schuld und muss mir so ein Verhalen gefallen lassen?

Kommentare: 2
  • #2

    p6majo (Freitag, 10 Januar 2020 20:46)

    Hallo Annika,

    ich lese Deine Soulkanguruh-Sprünge sehr gern. Oft dreht es sich ja um das Thema Liebe. Deshalb würde ich an dieser Stelle gern eine provokante These in den Raum stellen. Ich bin kein Philosoph und habe auch keinen fundierten Hintergrund für meine These. Es sind einfach nur Gedanken und Du kannst den Kommentar jederzeit wieder entfernen (hoffe ich).

    Was ist Liebe?
    Kurz: Es gibt zwei Säulen der Liebe, alles darüber hinaus ist eine gesellschaftliche, moralische und romantische Überhöhung bzw. Glorifizierung.

    1. Säule: Die sexuelle Anziehung zwischen zwei Menschen, getriggert durch Schemata, biochemische Botenstoffe und eventuell Verhaltensmuster, die es uns ermöglichen sollen, einen möglichst geeigneten Paarungspartner zu finden.
    2. Säule: "kin selection" --- kurz: das durch Evolution selektierte Verhaltensmuster, sich um Kinder und nahe Verwandte bis hin zu Selbstaufgabe zu kümmern und zu sorgen.

    Beide Säulen sind bei den meisten Tierarten auf der Welt zu finden und meiner Meinung nach die Essenz von all dem, was wir als Liebe bezeichnen. Alles andere ist der Versuch, uns Menschen zu etwas Besonderem zu machen (was wir meiner Meinung nach aber nicht sind), oder aber ein moralischer Überbau oder netter formuliert, allgemein akzeptierte Wertvorstellungen, um unser Handeln in gesellschaftlich-konforme Bahnen zu lenken. Allerdings sind diese Wertvorstellungen nicht immer mit den Säulen 1. und 2. vereinbar, was die Ursache für das meiste "Liebesleid" auf dieser Welt sein könnte.

  • #1

    Teale (Sonntag, 22 September 2019 02:53)

    You're a legend Annika. Love your words and the pictures used.